Badische Zeitung (Lokalteil Freiburg) vom 14. Dezember 2004
Das wahre Leben auf dem Spielbrett
In Freiburg endete am Wochenende der Südbaden-Cup im Backgammon / Gesamtsieger: Claus Weissbarth
Von Andreas Peikert
BRÜHL. Erfolge verbuchen, Weichen stellen, Fehler ausbaden, eine gewisse Leidensfähigkeit zeigen – all das durchleben Backgammonspieler während des Spiels mit den weißen und schwarzen Steinchen. “Es ist ein Spiel, das den Realitäten des Lebens am meisten ähnelt”, meinte der freie Journalist Claus Weissbarth (43) , eines der “Urgesteine” der kleinen Freiburger Backgammon- Szene während einer Spielpause beim Südbaden-Cup, der am Sonntag in der Gaststätte “La Cantina” ausgetragen wurde.
21 “Beginners” und acht “Champions” haben sich an diesem nebligtrüben Sonntagmittag in die Teilnehmerliste der größten Backgammon-Turnierserie im südbadischen Raum eingeschrieben. Der Freiburger Claus Weissbarth hatte die Veranstaltungsreihe einst mitbegründet. Die weiteste Anreise hat Heribert Lindner (43) aus Tauberbischofsheim hinter sich. Er nutzt das Freiburger Turnier vor allem als Vorbereitung für das Finale der hoch dotierten Stuttgarter “Schwaben-Cup-Serie” am kommenden Wochenende. Vor acht Jahren fand Martina Fischer (43) aus March-Holzhausen über eine Kleinanzeige zu den Freiburger Backgammon-Turnierspielern. Seitdem betreibt sie mit Begeisterung als eine der wenigen Frauen das überwiegend von Männern dominierte anspruchsvolle Freizeitvergnügen.
Dem Tagessieger und Erfolgreichsten einer jetzt zu Ende gehenden Veranstaltungsserie winkten Pokale und kleine Geldpreise als Lohn für das Ausknobeln der ausgefuchstesten Taktik, der raffiniertesten Spielzüge und letztlich auch für die konstantesten Leistung über bis zu acht Begegnungen hinweg.
Backgammon zählt zu den ältesten Brettspielen der Welt. Die Aufgabe für die beiden Kontrahenten besteht darin, aus einer vorgebenden Ausgangsposition heraus zu versuchen, 15 Spielsteine über drei “fremde” Felder in ihr jeweiliges “Heimfeld” zu würfeln und von dort aus letztlich möglichst rasch herauszuspielen. Gewonnen hat, wer als Erster sämtliche Steine aus den Feldern gewürfelt hat. Ein “Doppler”-Würfel als zusätzliche Bereicherung des Spielverlaufes erhöht dabei das Risiko, sicher geglaubte Spiele doch noch zu verlieren.
“Es gibt eigentlich immer nur einen richtigen Zug im Spielverlauf”, behauptete der Freiburger Medienpädagoge Thomas Gad (30), der den Südbaden-Cup mitorganisierte. “Man strengt sich mehr an, ist meist auch etwas aufgeregt, und dabei unterlaufen auch mal Fehler”, umschreibt er den Reiz, sich mit unbekannten zugelosten Spielpartnern zu messen. Im Vergleich zum wesentlich populäreren Schachspiel sind sich die Freunde des Backgammons einig: Der Spielverlauf bietet mehr Spannung und Aktion.
Nicht immer gewinnt der Bessere: “Backgammon ist überwiegend ein Spiel der Taktik, bei dem auch das Quentchen Glück beim Würfeln den Ausschlag geben kann”, sagt ein Turnierteilnehmer, der schon jahrelang dabei ist und mit einem akkurat geschliffenen kostspieligen Präzisionswürfel gerade eine Glückssträhne hat: Mit einem Pasch (zwei Würfel mit gleicher Augenzahl) nach dem anderen ist es ihm gelungen, den bisher schlechten Spielverlauf auf den Kopf zu stellen und letztlich die Partie noch knapp für sich zu entscheiden.
Den Gesamtsieg der “Südbadischen Backgammon-Meisterschafts-Serie 2004” sichert sich schließlich der Freiburger Lokalmatador Claus Weissbarth bei den “Champions”, Klaus Jochim aus Denzlingen gewinnt das Gesamtturnier bei den “Beginners”. Tagessieger werden in der Championswertung J. G.* aus Rottweil und Svetlan Magazinovic bei den “Beginners”.
*Name gekürzt
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Andreas Peikert